{"id":15516,"date":"2025-11-20T18:43:41","date_gmt":"2025-11-20T17:43:41","guid":{"rendered":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/?p=15516"},"modified":"2025-11-20T18:43:41","modified_gmt":"2025-11-20T17:43:41","slug":"interview-imagine-stim-ein-wichtiger-fortschritt-am-oberrhein-auf-dem-weg-zu-massgeschneiderten-behandlungen-fuer-epilepsie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/de\/neues\/interview-imagine-stim-ein-wichtiger-fortschritt-am-oberrhein-auf-dem-weg-zu-massgeschneiderten-behandlungen-fuer-epilepsie\/","title":{"rendered":"Interview: IMAGINE-STIM, ein wichtiger Fortschritt am Oberrhein auf dem Weg zu ma\u00dfgeschneiderten Behandlungen f\u00fcr Epilepsie"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine innovative Behandlung f\u00fcr Patienten mit Epilepsie und geistiger Behinderung: Das Projekt IMAGINE-STIM UPPER-RHINE entwickelt bildgesteuerte Neurostimulationstechniken. Diese Innovation wird von einem binationalen Konsortium, der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg und der Universit\u00e4tsklinik Freiburg, entwickelt. Die Forschenden arbeiten mit den Partnern Precisis Heidelberg und dem Epilepsiezentrum Kork zusammen, um eine innovative technologische L\u00f6sung zu entwickeln, mit der epileptische Herde (die f\u00fcr epileptische Anf\u00e4lle verantwortlichen Bereiche des Gehirns) mithilfe der medizinischen Bildgebung pr\u00e4zise lokalisiert und mit Neurostimulationstechniken gr\u00fcndlich behandelt werden k\u00f6nnen. S\u00e4ule Wissenschaft hat mit dem Tr\u00e4ger dieses im Rahmen der Wissenschaftsoffensive finanzierten Projekts gesprochen, der uns \u00fcber die Entstehung des Projekts, das Fachwissen der Forschungsteams und die Fortschritte berichtet, die diese Technologie f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rtze sowie Patientinnen und Patienten erm\u00f6glichen wird.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><u>K\u00f6nnen Sie sich vorstellen und Ihre Rolle im Projekt IMAGINE-STIM erl\u00e4utern?<\/u><\/p>\n<p>Mein Name ist Vera DINKELACKER, ich bin Neurologin und wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts IMAGINE-STIM UPPER-RHINE.<\/p>\n<p><u>Wie sind Sie auf die Idee zu IMAGINE-STIM gekommen?<\/u><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst muss man wissen, dass Epilepsie durch eine Zone im Gehirn verursacht wird, die eine abnormale elektrische Aktivit\u00e4t aufweist. Diese Zone wird als \u201eepileptischer Herd\u201d bezeichnet. Heute wird Epilepsie haupts\u00e4chlich medikament\u00f6s behandelt. Aber ein Drittel der Patientinnen und Patienten mit Epilepsie sprechen nicht ausreichend auf Medikamente an. In diesem Fall besteht die wichtigste Behandlung darin, den Betroffenen zu operieren und den epileptischen Herd zu entfernen. Diese Methode ist nat\u00fcrlich sehr invasiv und hat viele Nebenwirkungen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit geistiger Behinderung, bei denen Epilepsie besonders h\u00e4ufig auftritt. Seit einigen Jahren gibt es daher Techniken der Neurostimulation. Dabei werden Elektroden unter die Haut des Patienten implantiert, die elektrische Impulse an das Gehirn senden. Diese Methode ist besonders wirksam, da sie laut einigen Studien die H\u00e4ufigkeit von epileptischen Anf\u00e4llen innerhalb eines Monats um mehr als die H\u00e4lfte reduziert hat. Wir wollten diese Neurostimulationstechnik weiterentwickeln, um sie individuell anzupassen und f\u00fcr Patientinnen und Patienten mit geistiger Behinderung geeignet zu machen.<\/p>\n<p><u>Welche Technologie steckt hinter IMAGINE-STIM?<\/u><\/p>\n<p>Die Idee besteht darin, die Neurostimulation mit bildgebenden Verfahren zu kombinieren. F\u00fcr die Bildgebung haben wir eine M\u00f6glichkeit gefunden, die MRT mit einem Elektroenzephalogramm zu kombinieren. Mit diesen beiden Techniken k\u00f6nnen wir den epileptischen Herd genau identifizieren. Je nach Lage des Herdes implantieren wir dann eine Elektrode unter die Kopfhaut des Patienten. Die Elektrode sendet elektrische Impulse speziell an den epileptischen Herd des Patienten. Diese Methode erm\u00f6glicht somit eine personalisierte Behandlung f\u00fcr jeden Patienten und ist minimal invasiv.<\/p>\n<p><u>An Ihrem Projekt sind mehrere akademische Partner beteiligt. Welche Fachkenntnisse bringt jeder einzelne mit?<\/u><\/p>\n<p>Im ICUBE-Labor der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg haben wir ein Protokoll entwickelt, um das Elektroenzephalogramm gleichzeitig mit der MRT durchzuf\u00fchren. Aufgrund des Magnetfelds der MRT mussten wir ein spezielles Elektroenzephalogramm finden, das damit kompatibel ist. Anschlie\u00dfend haben wir erste \u201ePilotanalysen\u201d mit gesunden Patienten durchgef\u00fchrt, die nicht an Epilepsie leiden, um einen ersten Datenpool zu erhalten. In Zukunft werden wir auch Tests mit anderen medizinischen Bildgebungstechniken wie Bold-MRT usw. durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir arbeiten mit dem Universit\u00e4tsklinikum Freiburg zusammen. Sie arbeiten eng mit unserem Partner Precisis Heidelberg zusammen, der Epikranialelektroden entwickelt hat. Freiburg k\u00fcmmert sich also um die Implantation der Elektrode unter der Kopfhaut von Epilepsiepatienten und analysiert die neuronalen Netzwerke vor und nach der Implantation, um zu beobachten, ob es Ver\u00e4nderungen gibt. Sie haben bereits zwei Patientinnen implantiert und m\u00f6chten bis zum Ende des Projekts etwa zehn weitere implantieren.<\/p>\n<p>Wir stehen auch in Verbindung mit dem Epilepsiezentrum in Kork, einem gro\u00dfen Behandlungszentrum f\u00fcr Patientinnen und Patienten mit Epilepsie, insbesondere f\u00fcr medikamentenresistente Personen und Menschen mit geistiger Behinderung. Sie schlagen uns daher Patientinnen und Patienten vor, die von der Technologie, die wir gerade entwickeln, profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><u>Was ist f\u00fcr Sie der Vorteil, dieses Projekt mit Partnern aus der Grenzregion zu entwickeln, und umgekehrt, welchen Mehrwert bringt Ihr Projekt f\u00fcr den Oberrhein?<\/u><\/p>\n<p>In der Region haben wir den Vorteil, dass es bereits eine wichtige grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit gibt, insbesondere dank eines fr\u00fcheren Interreg-Projekts am Oberrhein, das den Zugang zur Versorgung zwischen Stra\u00dfburg und dem Epilepsiezentrum Kork erm\u00f6glicht hat. Wir konnten also wirklich in Bezug auf die grenz\u00fcberschreitende Gesundheitsversorgung von diesem fr\u00fcheren Projekt profitieren.<\/p>\n<p>Der Vorteil besteht auch darin, dass es in Stra\u00dfburg und Freiburg bereits Behandlungszentren f\u00fcr Epilepsie gab, allerdings mit unterschiedlichen Ans\u00e4tzen. Wir konnten also vom Fachwissen jedes Einzelnen profitieren, sodass wir uns heute in diesem Projekt eher erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Umgekehrt k\u00f6nnen die Patienten des Epilepsiezentrums Kork grenz\u00fcberschreitend von unserer Technologie profitieren. Dieses Projekt hat aber auch den Dialog mit Menschen mit Epilepsie im Oberrheingebiet er\u00f6ffnet. Wir stehen in Kontakt mit Patientenverb\u00e4nden und haben auch Video-Foren entwickelt, an denen alle teilnehmen k\u00f6nnen, um das Wissen \u00fcber diese Krankheiten zu erweitern.<\/p>\n<p><em>Das Projekt IMAGINE-STIM UPPER-RHINE ist ein Projekt der Wissenschaftsoffensive der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, das vom Interreg-Programm Oberrhein, der Region Grand Est, dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-W\u00fcrttemberg und dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz kofinanziert wird.<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Mehr Informationen zum Projekt: <a href=\"https:\/\/imagine-stim.eu\/index.php\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/imagine-stim.eu\/index.php\/de\/<\/a><\/li>\n<li>Mehr Informationen zur Wissenschaftsoffensive: <a href=\"https:\/\/science.rmtmo.eu\/de\/wissenschaftsoffensive\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/science.rmtmo.eu\/de\/wissenschaftsoffensive\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine innovative Behandlung f\u00fcr Patienten mit Epilepsie und geistiger Behinderung: Das Projekt IMAGINE-STIM UPPER-RHINE entwickelt bildgesteuerte Neurostimulationstechniken. 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