{"id":15502,"date":"2025-11-12T09:52:12","date_gmt":"2025-11-12T08:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/?p=15502"},"modified":"2025-11-12T09:52:12","modified_gmt":"2025-11-12T08:52:12","slug":"interview-albucol-eine-deutsch-franzoesisch-schweizerische-forschungskooperation-fuer-100-natuerliche-biomaterialien-zur-geweberegeneration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/de\/neues\/interview-albucol-eine-deutsch-franzoesisch-schweizerische-forschungskooperation-fuer-100-natuerliche-biomaterialien-zur-geweberegeneration\/","title":{"rendered":"Interview: ALBUCOL, eine deutsch-franz\u00f6sisch-schweizerische Forschungskooperation f\u00fcr 100 % nat\u00fcrliche Biomaterialien zur Geweberegeneration"},"content":{"rendered":"<p><i>Ein vielversprechender Fortschritt f\u00fcr die regenerative Medizin: Das Projekt ALBUCOL entwickelt 100 % nat\u00fcrliche Biomaterialien f\u00fcr die Gewebekonstruktion und die regenerative Medizin. Diese Innovation wird von einem trinationalen Konsortium getragen, dem Institut national de la sant\u00e9 et de la recherche m\u00e9dicale de Strasbourg (INSERM \u2013 Stra\u00dfburg, FR), dem Natural and Medical Sciences Institute (NMI \u2013 Reutlingen, DE) der Universit\u00e4t Basel (DBM \u2013 Basel, CH) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW \u2013 Muttenz, CH). Die Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Industriepartnern zusammen, um Knorpel- und Knochengewebe zu regenerieren und so Knorpeldefekte und angeborene Knochenfehlbildungen zu behandeln. Die S\u00e4ule Wissenschaft hat mit dem Tr\u00e4ger dieses im Rahmen der Wissenschaftsoffensive finanzierten Projekts gesprochen, der uns \u00fcber die Entstehung des Projekts, die Expertise der Forschungsteams und die Fortschritte, die diese Technologie f\u00fcr \u00c4rzte und Patienten bringen wird, berichtet.<\/i><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15495 alignleft\" style=\"margin-top: 0.857143rem; margin-right: 1.71429rem; margin-bottom: 0.857143rem; font-style: italic;\" src=\"https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021.png\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021.png 1652w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021-240x300.png 240w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021-819x1024.png 819w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021-768x960.png 768w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021-1229x1536.png 1229w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Albucol_Photo-portrait-PhL-2021-1638x2048.png 1638w\" sizes=\"auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/p>\n<p><u>K\u00f6nnen Sie sich kurz vorstellen und Ihre Rolle im Projekt ALBUCOL beschreiben?<\/u><\/p>\n<p>Mein Name ist Philippe LAVALLE, ich bin Forscher am Institut national de la sant\u00e9 et de la recherche m\u00e9dicale (INSERM) in Stra\u00dfburg und Direktor der Unit\u00e9 mixte de recherche UMR_S1121 (Biomaterials &amp; Bioengineering) im Centre de Recherche de Biom\u00e9decine de Strasbourg (CRBS). Au\u00dferdem bin ich wissenschaftlicher Koordinator des ALBUCOL-Projekts.<\/p>\n<p><u>Wie ist die Idee von ALBUCOL entstanden und was entwickeln Sie in diesem Projekt?<\/u><\/p>\n<p>Unsere Idee entstand aus der Tatsache, dass es heute keine wirklich zufriedenstellende L\u00f6sung f\u00fcr den Wiederaufbau von Gewebe wie beispielsweise Knorpel gibt. Knorpel hat eine geringe Regenerationsf\u00e4higkeit, was bedeutet, dass er sehr schwer zu reparieren ist, wenn er beispielsweise durch ein Trauma besch\u00e4digt wurde. Die derzeit verwendeten Materialien haben mehrere Nachteile: Sie sind oft nicht ausreichend widerstandsf\u00e4hig, nicht immer biokompatibel und lassen sich nicht optimal in den K\u00f6rper integrieren.<\/p>\n<p><u>Welche Technologie steckt hinter ALBUCOL?<\/u><\/p>\n<p>Wir haben ein Biomaterial auf biologischer Basis entwickelt, das wir langfristig direkt aus dem Patienten gewinnen k\u00f6nnten. Es ist biokompatibel und nicht immunogen und seine strukturellen Eigenschaften erm\u00f6glichen eine klinische Anwendung. Konkret haben wir uns f\u00fcr zwei Proteine entschieden, die nat\u00fcrlicherweise im menschlichen K\u00f6rper vorkommen: Albumin und Kollagen, welche eine optimale Biokompatibilit\u00e4t aufweisen. Das Prinzip der Methode besteht in der umweltfreundlichen Kombination dieser beiden Proteine in unterschiedlichen Anteilen, um eine Reihe por\u00f6ser Materialien herzustellen, die die Zellentwicklung beg\u00fcnstigen. Die Idee ist also, Albumin und Kollagen zu mischen, um die strukturierenden Eigenschaften des Albumins zu nutzen und gleichzeitig dank des Kollagens die Implantation und Entwicklung der Zellen zu f\u00f6rdern. Anschlie\u00dfend planen wir, das Material mit Chondrozyten, also Knorpelzellen, die dem Patienten entnommen wurden, zu besiedeln. Das Implantat ist somit nicht immunogen, da es sich um die eigenen Zellen des Patienten handelt. Nach der Implantation k\u00f6nnen sich die Chondrozyten weiterentwickeln, die gesamte Struktur bedecken und den Knorpelschaden beheben. Albumin und Kollagen werden parallel abgebaut und machen Platz f\u00fcr die neue Knorpelstruktur. Wir verwenden auch andere Proteine und streben die Wiederherstellung von Knochengewebe an.<\/p>\n<p><u>Im Konsortium Ihres Projekts sind mehrere Hochschulpartner aus der Oberrheinregion beteiligt. Welche Kompetenzen bringt jede Einrichtung mit? <\/u><\/p>\n<p>Wir am INSERM (Team von Dr. Philippe Lavalle) interessieren uns insbesondere f\u00fcr die Herstellung von Materialien auf Albumin- oder Ovalbuminbasis. Wir haben bereits erste <em>In-vivo-<\/em>Tests mit por\u00f6sen Biomaterialien durchgef\u00fchrt, die zu 100 % aus Albumin bestehen und sich beim Mausmodell als sehr vielversprechend erwiesen haben. Diese Ergebnisse ebnen heute den Weg f\u00fcr Versuche an Gro\u00dftieren und morgen f\u00fcr klinische Anwendungen.<\/p>\n<p>Das NMI (Team von Dr. Xin Xiong) verf\u00fcgt \u00fcber umfassende Fachkenntnisse im Bereich Kollagen und entwickelt im Rahmen dieses Konsortiums eine breite Palette an Hybridmaterialien, die Albumin und Kollagen kombinieren und auf einer patentierten Methodik basieren, die wir in das Konsortium einbringen. Das Team ist auch an der Charakterisierung dieser Biomaterialien beteiligt.<\/p>\n<p>An der Universit\u00e4t Basel, im Fachbereich Biomedizin (Team von Prof. Arnaud Scherberich), erm\u00f6glicht die N\u00e4he zum Universit\u00e4tsspital Basel die Beschaffung der f\u00fcr das Projekt ben\u00f6tigten Chondrozyten. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt dieses Team \u00fcber umfassende Fachkenntnisse im Bereich der Zelldifferenzierung zu Knochengewebe.<\/p>\n<p>Die FHNW (Team von Prof. Michael de Wild) ist w\u00e4hrend des gesamten Projekts mit hochkar\u00e4tiger analytischer Expertise beteiligt, insbesondere bei der Pr\u00fcfung der Porosit\u00e4t und biomechanischen Festigkeit der Biomaterialien, wobei sie sich jedoch auf unsere besten Kandidaten konzentriert.<\/p>\n<p><u>Was ist f\u00fcr Sie der Vorteil, dieses Projekt mit Partnern aus der Grenzregion zu entwickeln, und umgekehrt, welchen Mehrwert bringt Ihr Projekt f\u00fcr den Oberrhein?<\/u><\/p>\n<p>Das Oberrheinbecken ist eine besonders geeignete Region f\u00fcr unser Projekt, da hier in einem sehr begrenzten geografischen Gebiet komplement\u00e4re Fachkenntnisse mobilisiert werden k\u00f6nnen. Ohne dieses Projekt h\u00e4tten wir nicht mit der FHNW zusammenarbeiten k\u00f6nnen, welche uns mit ihrem hochspezialisierten Fachwissen unterst\u00fctzt. Obwohl bereits eine Zusammenarbeit zwischen dem Inserm und der Universit\u00e4t Basel bestand, konnten wir dank diesem Projekt eine neue Dimension erreichen und wertvolle neue Partner wie das NMI und die FHNW gewinnen. Das ALBUCOL-Konsortium ist zwar zun\u00e4chst auf drei Jahre angelegt, doch wird diese Art der Zusammenarbeit oft weit dar\u00fcber hinaus fortgesetzt, was uns die M\u00f6glichkeit bietet, diese Partnerschaften langfristig zu festigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Oberrheinregion erm\u00f6glicht das Projekt die Finanzierung von Forschenden aus der Region und st\u00e4rkt unsere regionale F\u00fchrungsposition im Bereich Medtech sowie unseren Anspruch auf den Status einer europ\u00e4ischen MedTech-Valley. Langfristig sollen unsere Technologien und Implantate weit \u00fcber die Oberrheinregion hinaus Anwendung finden.<\/p>\n<p><em>Das Projekt ALBUCOL ist ein Projekt der Wissenschaftsoffensive der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, welche vom Interreg-Programm Oberrhein, der R\u00e9gion Grand Est, dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-W\u00fcrttemberg und dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz kofinanziert wird. Die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Kantone der Nordwestschweiz beteiligen sich an der Finanzierung der Schweizer Projektpartner.<\/em><\/p>\n<p><em>Weitere Informationen zum Projekt:&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/de\/forschung-und-dienstleistungen\/lifesciences\/medizintechnik-und-medizininformatik\/projekte\/albucol-interreg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>https:\/\/www.fhnw.ch\/de\/forschung-und-dienstleistungen\/lifesciences\/medizintechnik-und-medizininformatik\/projekte\/albucol-interreg<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein vielversprechender Fortschritt f\u00fcr die regenerative Medizin: Das Projekt ALBUCOL entwickelt 100 % nat\u00fcrliche Biomaterialien f\u00fcr die Gewebekonstruktion und die regenerative Medizin. 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