{"id":15412,"date":"2025-10-09T13:58:31","date_gmt":"2025-10-09T11:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/?p=15412"},"modified":"2025-10-09T14:01:46","modified_gmt":"2025-10-09T12:01:46","slug":"interview-helpmewalk-wo-kuenstliche-intelligenz-und-grenzueberschreitende-kooperation-die-herstellung-von-orthesen-neu-erfinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/science.rmtmo.eu\/de\/neues\/interview-helpmewalk-wo-kuenstliche-intelligenz-und-grenzueberschreitende-kooperation-die-herstellung-von-orthesen-neu-erfinden\/","title":{"rendered":"Interview: HelpMeWalk \u2013 Wo k\u00fcnstliche Intelligenz und grenz\u00fcberschreitende Kooperation die Herstellung von Orthesen neu erfinden"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine intelligente Bandage, die anatomische Formen digitalisiert: das ist die L\u00f6sung, die das Projekt HelpMeWalk entwickeln wird, um personalisierte Orthesen effizienter herzustellen. Diese Innovation wird von einem trinationalen Konsortium entwickelt, bestehend aus der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg, der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Hochschule Kaiserslautern und der Hochschule Furtwangen. Die Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Industriepartnern und Orthop\u00e4diepraxen zusammen, um eine innovative technologische L\u00f6sung f\u00fcr Messungen zu entwickeln: eine intelligente Bandage, die mit Hunderten von Magnetsensoren ausger\u00fcstet ist. Die S\u00e4ule Wissenschaft hat sich mit dem Tr\u00e4ger dieses im Rahmen der Wissenschaftsoffensive finanzierten Projekts unterhalten, der uns \u00fcber die Entstehung des Projekts, die Expertise der beteiligten Forschungsteams und die Fortschritte berichtet, die diese Technologie sowohl f\u00fcr \u00c4rzte als auch f\u00fcr Patienten bringen wird.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15398 alignleft\" style=\"margin-top: 0.857143rem; margin-right: 1.71429rem; margin-bottom: 0.857143rem; font-style: italic;\" src=\"https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo_Madec_HelpMeWalk.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo_Madec_HelpMeWalk.jpg 666w, https:\/\/science.rmtmo.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/photo_Madec_HelpMeWalk-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/p>\n<p><u>K\u00f6nnen Sie sich kurz vorstellen und Ihre Rolle im Projekt HelpmeWalk beschreiben?<\/u><\/p>\n<p>Mein Name ist Morgan MADEC, ich bin Universit\u00e4tsprofessor und im Bereich Lehre an der T\u00e9l\u00e9com Physique Strasbourg sowie im Bereich Forschung am Forschungslabor ICube der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg t\u00e4tig. Im Rahmen dieser T\u00e4tigkeit bin ich wissenschaftlicher Koordinator des Projekts HelpMeWalk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Wie ist die Idee von HelpMeWalk entstanden und was entwickeln Sie in diesem Projekt?<\/u><\/p>\n<p>Orthesen sind Hilfsmittel, die Fehlfunktionen eines K\u00f6rperteils ausgleichen. Ausgehend von der Feststellung, dass die herk\u00f6mmliche Herstellungsweise von Fu\u00dforthesen weder aus technischer Sicht noch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt optimal ist, haben wir uns auf die Entwicklung eines neuen Verfahrens konzentriert. Derzeit werden diese Orthesen \u00fcber einen Gipsabdruck des Fu\u00dfes hergestellt. Danach werden anhand dieses Abdrucks orthop\u00e4dische Messungen vorgenommen. Diese Messung kann jedoch fehlerhaft sein und zur Anfertigung einer unbrauchbaren Orthese f\u00fchren, insbesondere wenn der Gips nicht richtig auf der Haut haftet. Au\u00dferdem muss lange gewartet werden, bis der Gips getrocknet ist. W\u00e4hrend dieser Zeit muss der Orthop\u00e4dietechniker das Gelenk in korrigierter Position stabilisieren. Letztendlich f\u00fchrt diese Technik zur Herstellung von Hunderten und Aberhunderten von Gipsverb\u00e4nden, die irgendwo gelagert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir haben daher eine L\u00f6sung entwickelt, mit der die Form des Sprunggelenks mithilfe von Sensoren direkt digitalisiert werden kann. Diese Methode ist pr\u00e4ziser als die bisherige, komfortabler f\u00fcr den Patienten, schneller f\u00fcr den Orthop\u00e4dietechniker und verursacht weniger Abfall.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Welche Technologie steckt hinter HelpMeWalk?<\/u><\/p>\n<p>Um die Messung durchzuf\u00fchren, umwickeln wir den Fu\u00df mit einer Bandage, in die Hunderte von Magnetsensoren integriert sind, und legen ihn auf eine Platte, welche einer Induktionsplatte \u00e4hnelt und in die Spulen eingebaut sind, die Magnetfelder erzeugen. Die Magnetsensoren in der Bandage erfassen das von jeder Spule der \u201eInduktionsplatte\u201d erzeugte Feld. Anhand dieser Messungen k\u00f6nnen wir die Position jedes einzelnen Sensors bestimmen und so ein 3D-Modell des Sprunggelenks erstellen. Anschlie\u00dfend kann die Orthese direkt auf dem 3D-Modell entworfen und ausgedruckt werden \u2013 alles mit einem einzigen Software-Tool.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Im Konsortium Ihres Projekts sind mehrere Hochschulpartner aus der Oberrheinregion beteiligt. Welche Kompetenzen bringen jede Einrichtung mit?<\/u><\/p>\n<p>Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist f\u00fcr die Entwicklung der elektronischen Ger\u00e4te f\u00fcr dieses Projekt verantwortlich. Dazu geh\u00f6ren die Leiterplatten, auf denen die Magnetsensoren verl\u00f6tet werden, sowie die Steuerung der Spulen, die die Magnetfelder erzeugen.<\/p>\n<p>Nachdem die magnetischen Messungen mit den Sensoren vorgenommen wurden, muss die genaue Position der Sensoren ermittelt werden. Diese Aufgabe \u00fcbernimmt unser ICube-Labor an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg. Der verwendete Algorithmus \u00e4hnelt dem f\u00fcr Geolokalisierung, ist jedoch an die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe und die Art der durchgef\u00fchrten Messungen angepasst.<\/p>\n<p>Nach Ermittlung der Position der Sensoren erhalten wir eine Punktewolke, die miteinander verbunden werden muss, um die anatomische 3D-Form des Sprunggelenks zu erhalten. Dieser Teil wird von der Hochschule Kaiserslautern getragen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist die Hochschule Furtwangen f\u00fcr die Verkapselung der Sensoren und Elektronikkarten in einem biokompatiblen Polymer zust\u00e4ndig, das die Robustheit des Ger\u00e4ts gegen\u00fcber mechanischen Belastungen w\u00e4hrend des Gebrauchs (Verdrehung, Scherung) und sonstigen Einsatzbedingungen (Feuchtigkeit, Schwei\u00dfabsonderung der Haut) verbessern soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Was ist f\u00fcr Sie der Vorteil, dieses Projekt mit Partnern aus der Grenzregion zu entwickeln, und umgekehrt, welchen Mehrwert bringt Ihr Projekt f\u00fcr den Oberrhein?<\/u><\/p>\n<p>Der Vorteil ist, dass wir die meisten Partner bereits kannten. Wir arbeiten derzeit an mehreren Projekten mit der FHNW zusammen, bei denen Magnetfeldsensoren und Magnetfelder f\u00fcr Standortmessungen eingesetzt werden. Wir hatten bereits ein grenz\u00fcberschreitendes Projekt mit der Hochschule Furtwangen durchgef\u00fchrt, und die Zusammenarbeit verlief sehr gut, da sich unsere Arbeitsweisen gut erg\u00e4nzen. Wir haben \u00fcbrigens bereits weitere Projekte mit ihnen gestartet, da die Zusammenarbeit nach wie vor sehr gut funktioniert. Die geografische N\u00e4he unserer Forschungsinstitute erm\u00f6glicht es uns, ein echtes Vertrauensverh\u00e4ltnis aufzubauen, und sorgt daf\u00fcr, dass wir viele Ideen f\u00fcr neue Kooperationen haben!<\/p>\n<p>Im Oberrheingebiet, in einem Umkreis von 100 km, gibt es drei L\u00e4nder, drei Arbeitsweisen, drei Arten, technologische Fortschritte zu begleiten und die Bed\u00fcrfnisse von Fachleuten und Patienten zu ber\u00fccksichtigen. Das ist bereichernd f\u00fcr unseren Ansatz und erm\u00f6glicht uns eine ganzheitlichere und koh\u00e4rentere Herangehensweise an unsere Entwicklung. Diese neue Technologie interessiert \u00fcbrigens nicht nur den Oberrhein, wir haben auf internationalen Messen auch vielversprechende Kontakte gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Auch aus akademischer Sicht denke ich, dass wir keine Schwierigkeiten haben werden, intern interessierte Personen zu finden, die auf Basis dieser Technologie Satellitenprojekte entwickeln m\u00f6chten. Wir haben die Technologie zun\u00e4chst f\u00fcr Fu\u00dferkrankungen entwickelt, aber sie k\u00f6nnte in Zukunft auch auf andere K\u00f6rperteile angepasst werden.<\/p>\n<p>Da die Oberrheinregion ein bedeutender Industriestandort ist, kann unsere Technologie hier zur Entwicklung von Unternehmen im Bereich der Medizintechnik beitragen. Da die Region zudem sehr dicht besiedelt ist, sind wir \u00fcberzeugt, dass diese neue Art der Orthesenherstellung vielen Menschen zugutekommen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Projekt HelpMeWalk ist ein Projekt der Wissenschaftsoffensive der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, welche vom Interreg-Programm Oberrhein, der R\u00e9gion Grand Est, dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-W\u00fcrttemberg und dem Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz kofinanziert wird. Die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Kantone der Nordwestschweiz beteiligen sich an der Finanzierung der Schweizer Projektpartner.<\/em><\/p>\n<p>Weitere Informationen:<em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/helpmewalk.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/helpmewalk.eu\/<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine intelligente Bandage, die anatomische Formen digitalisiert: das ist die L\u00f6sung, die das Projekt HelpMeWalk entwickeln wird, um personalisierte Orthesen effizienter herzustellen. Diese Innovation wird von einem trinationalen Konsortium entwickelt, bestehend aus der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg, der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Hochschule Kaiserslautern und der Hochschule Furtwangen. 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